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Stellungnahme der Fachabteilung Substrate im IVG15.05.2010

Stellungnahme der Fachabteilung Substrate im IVG

Stellungnahme der Fachabteilung Substrate, Erden, Ausgangsstoffe im Industrieverband Garten e.V. zu den aktuellen Aussagen der Naturschutzverbände


Der Industrieverband Garten e.V. ist die Branchenvertretung der Hersteller von Blumenerden und
Kultursubstraten (B+K) in Deutschland, unabhängig von den eingesetzten Ausgangsstoffen.
Aktuell erheben Naturschutzverbände mit teilweise drastischen Aussagen die Forderung, auf Torf in Blumenerden und Kultursubstraten zu verzichten. Es wird dabei unterstellt, dass die Verwendung von Torf im Gartenbau intakte Moore und damit Biodiversität zerstört und durch freiwerdendes CO2 wesentlich zur Emission klimarelevanter Gase beiträgt. Als Lösungsansatz fordern Torfgegner die Abnehmerkreise und Endverbraucher dazu auf, verstärkt torffreie Produkte anzubieten.

Dazu möchten wir wie nachfolgend Stellung nehmen.

Torf ist aus gutem Grund der wichtigste Ausgangsstoff
In Deutschland hat Torf von allen Ausgangsstoffen, die in B+K eingesetzt werden, einen Anteil von
93,7%. In weit geringerem Umfang werden andere org. Stoffe (1,6%) und Komposte (3,5%)
eingesetzt. Der Grund ist, dass Torf alle chemischen, physikalischen, biologischen und auch
wirtschaftlichen Vorteile auf sich vereint. Kompost, Rinde oder Holzfaser werden in den meisten Fällen
mit Torf (auch in biologisch wirtschaftenden Betrieben) gemischt, um ihre Nachteile auszugleichen.
Torf in B+K bedeutet Kultursicherheit, kontrollierte Nährstofffreisetzung, ideales Porenverhältnis,
Strukturstabilität und kontinuierliche Verfügbarkeit in hoher Qualität.
In Deutschland verlassen sich 27 Mio. Haushalte überwiegend auf die Qualität torfbasierter
Blumenerden, 67.300 Gartenbaubetriebe mit 340.000 Mitarbeitern sind direkt oder indirekt auf die
Verlässlichkeit größtenteils torfbasierter Kultursubstrate angewiesen. Der in Deutschland im
Profigartenbau eingesetzte Torf fließt zu 51% in die Erzeugung von Gemüse, 39% werden im
Blumen- und Zierpflanzenbau verwendet. Aus 1 m³ Substrat werden bis zu 350.000
Gemüsejungpflanzen kultiviert.
In Deutschland werden somit etwa 8-9 Mio. m³ Torf eingesetzt, um etwa 9,5 Mio. m³ Blumenerden
und Kultursubstrate produziert. Um Rohstoffkreisläufe zu schließen, bestimmte Rezepturen
herzustellen oder Kundenwünschen zu entsprechen, werden auch andere, alternative Ausgangsstoffe
allerdings in weit geringerem Umfang eingesetzt. Es sind dies (Angaben aus versch. Studien):

Grünkompost: 250.000 – 500.000 m³/a
Rindenhumus: 55.000 – 100.000 m³/a
Holzfaser: 90.000 – 100.000 m³/a
Kokos: 25.000 – 50.000 m³/a


Je nach Betrachtung liegt die Menge verwendeter Torfersatzstoffe zwischen 420.000 und 770.000 m³
pro Jahr. Nicht alleine aus Gründen der Qualität des Fertigproduktes, sondern besonders wegen der
begrenzten Verfügbarkeit ist diese Menge nicht einfach steigerbar. Geeigneter Grünschnitt für
Komposte geht heute sehr häufig in die Biogaserzeugung, Rinde wird der thermischen Nutzung
zugeführt. Die Forderung nach einer Steigerung der Anteile an Torfersatzstoffen ist fachlich weder
gerechtfertigt noch möglich.

Torfabbau = Moorzerstörung?
In Deutschland sind 90% der Moore entwässert und degeneriert, man spricht dementsprechend eher
von Torfvorkommen, auch wenn die Standorte bodenkundlich und geologisch „Moore“ sind.
(Euronatur/BfN Tagung 4/09). Nur auf bereits (lange) entwässerten Hochmooren, also sogenannten
Torflagerstätten wird in Deutschland Torf gewonnen. Es sind dies:

25.900 ha (etwa 8%) für die Torfgewinnung
62.500 ha sind Bentgras und Bewaldungsflächen (19%)
180.000 ha beansprucht die Landwirtschaft (57%)
25.900 ha die Forstwirtschaft (8%)
25.950 ha sind intakte Hochmoore (8%)

Es werden ausschließlich landwirtschaftlich vorgenutzte Flächen herangezogen.

Auf intakten Mooren wird keine Torfgewinnung betrieben.

Moornutzung in Deutschland (Hochmoore und Niedermoore)
68%Landwirtschaft
13%Forst
5%naturnah
7%extensiv/ungenutzt
5%degeneriert
2%Sonstige und Torfabbau


Weltweit beträgt der Anteil der Torfgewinnung für Blumenerden und Kultursubstrate 0,005% an allen Hochmoorflächen.
Bis eine Torfgewinnung in Deutschland möglich ist, müssen im gesetzlich geregelten Genehmigungsverfahren
viele Abstimmungsprozesse, Untersuchungen, Folgenabschätzungen usw. durchlaufen
werden. Unter hohen Auflagen und ständiger Kontrolle findet dann der Abbau statt. Nach dem Abbau
wird die Fläche renaturiert und ist damit naturschutzfachlich wertvoller als vor dem Abbau. Bislang
sind 13.000 ha Torffläche wiedervernässt worden. 40.000 ha sollen es in einigen Jahren sein. Dies
bedeutet einen deutlichen Hinzugewinn an naturnahem Lebensraum. Ein neues Moor entsteht.

Was haben Moore mit dem Klima zu tun?
Moore gelten weltweit als bedeutende CO2 - Lagerstätten. In Deutschland wurde insbesondere in der
ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit der landwirtschaftlichen Kultivierung der Moore nicht nur
der Lebensraum für Pflanzen und Tiere beseitigt, sondern auch die Moore in den oberen Schichten
entwässert.
Seitdem führt die Entwässerung/Durchlüftung des Torfes zu einem oxidativ, biochemischen Abbau der
organischen Substanz und es wird CO2 freigesetzt. Die Moore haben in Deutschland an den
gesamten CO2 - Emissionen einen Anteil von 2,8 %.
Von allen Klimagasen, die aus Mooren emittiert werden, haben die Torfgewinnung 7 % Anteil (0,2%
der Gesamtemissionen), nicht oder extensiv genutzte Moore emittieren 9 % und die
landwirtschaftlich genutzten Flächen verursachen 84% der Gase.
Landwirtschaftlich genutzte Moorflächen verlieren durch Oxidation und Sackung 1-2 cm Torfauflage im
Jahr. Dieser „Abbau von Torf“ findet ohne menschliches Zutun statt. Beim industriellen Torfabbau wird
zwar der Torf schneller abgebaut, zur Renaturierung der Fläche wird allerdings ein Torfpolster von
mindestens 50 cm belassen, so dass sich durch die Wiedervernässung die Flächen zu einem
wertvollen Moor zurückentwickeln können. Diese Moorflächen sind nachhaltig gesichert und nicht
durch landwirtschaftliche Umbruchmaßnahmen u.ä. gefährdet.
Mit der Wiedervernässung wird die CO2 – Emission gestoppt. Nach einer anfänglich erhöhten Methan-
Freisetzung werden die Flächen dauerhaft wieder +/- klimaneutral und langfristig zu CO2 – Senken.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Industrieverband Garten e.V.
Gothaer Straße 27
40880 Ratingen
Tel: 02102 -940880
Fax: 02102-940850

www: IVG.org

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